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STADTENTWICKLUNG KÖLN

Wohnungsnotstand und Klimanotstand in Köln. Wir brauchen nachweisliche Ergebnisse und schnelle Lösungen für das Bevölkerungswachstum bei gleichzeitiger Vermeidung fortschreitender Zerstörung der „grünen“ Gebiete. Köln benötigt zukunftsweisende Angebote für Wohnen und Arbeiten. Welche Ansätze verfolgt die Stadt bei der Erweiterung, dem Umbau sowie der Bestandserhaltung? Wie gehen wir mit ökonomischen Problemlösungen um? Wie steht die Stadt Köln zu innovativen Wohnkonzepten? Kann die folgenschwere Suburbanisierung  noch aufgehalten werden?

Bezahlbarer Wohnraum ist inzwischen Mangelware. Lebendige, grüne Vororte – wie Sürth und Weiß – wurden vor einigen Jahren noch von spielenden Kindern und alteingesessenen Einwohnern geprägt. Heute dominieren Autos und Baustellen das Straßenbild.

Durch den wirtschaftlichen Strukturwandel stehen große Flächenreserven in besten, innerstädtischen Lagen für neue Nutzungen zur Verfügung. Sollte demnach der Flächenverbrauch nicht konsequent eingedämmt werden? Eine Wiedernutzung brachgefallener Flächen und Gebäude im Innenbereich ist sowohl aus Gründen des Freiraumschutzes als auch in stadtgestalterischer und stadtökonomischer Hinsicht dringend erforderlich.

Daher wird auch schon seit mehr als einem Jahrzehnt in der Fachöffentlichkeit und zunehmend auch von der Politik eine grundlegende Umorientierung der Siedlungsentwicklung gefordert.

 

Ausgangssituation Suburbanisierung

Seit den 1950er Jahren war die Entwicklung von Städten und Gemeinden in Deutschland infolge des steigenden Wohlstandes und der aufkommenden Massenmotorisierung (PKW-Verfügbarkeit) vor allem durch Wachstum und Ausdehnung der Siedlungsfläche ins Umland Suburbanisierung gekennzeichnet. Industrie, Gewerbe und Handel an den Stadtrand oder auf die Grüne Wiese hat bereits zu einer Flächenversiegelung beigetragen, die aktuell brach liegt.

 

Lösungsansätze

 

 

Änderung der Baunutzungsverordnung (BauNVO) 2017

„Urbane Gebiete“ Mit der kürzlich erfolgten Novelle des Bauplanungsrechts wurde mit den „Urbanen Gebieten (MU)“ (§ 6a BauNVO) eine neue Gebietskategorie in die Baunutzungsverordnung eingeführt.

Diese soll mehr Flexibilität bei der Schaffung verdichteter, gemischt genutzter Gebiete ermöglichen und sieht – auch zur Vermeidung und Reduzierung von Verkehr und zur Förderung eines lebendigen öffentlichen Raums – eine räumliche Nähe von wichtigen Funktionen wie Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Bildung, Kultur und Erholung vor.

Zugleich kann eine höhere Bebauungsdichte (GRZ bis 0,8 und GFZ bis 3,0) ermöglicht werden, was die Schaffung von Wohnraum erleichtert.

Innenentwicklung

Innenentwicklung bezeichnet im Städtebau die Strategie, den zukünftigen Flächenbedarf durch die Nutzung von innerörtlicher, bereits erschlossenen Flächen zu decken und auf die Ausweisung von Flächen auf der Grünen Wiese weitgehend zu verzichten.

  • fördert das Leitbild der „Stadt der kurzen Wege“ und verringert damit den motorisierten Individualverkehr (Förderung des Rad- und Fußverkehrs). Die Gemeinden können die Herstellung von Stellplätzen aus städtebaulichen Gründen oder aus Gründen des Verkehrs auch einschränken oder untersagen (§ 44 HBO).
  • Die reale Nachfrage nach Stellplätzen oft geringer ist als die nachzuweisende Zahl, so kann durch eine Reduzierung der notwendigen Stellplätze das Wohnbauvorhaben erheblich erleichtert werden. Durch nachhaltige Mobilitätskonzepte mit attraktiven Angeboten des öffentlichen Verkehrs, komfortablen Fahrrad-Abstellanlagen und Car-Sharing-Angeboten können die Mobilitätsbedürfnisse von Teilen der Bevölkerung auch unterhalb der herkömmlichen Standards für Kfz-Stellplätze attraktiv befriedigt werden. Die Kommunen haben diesbezüglich die Möglichkeit, durch Stellplatzsatzungen und Bebauungspläne maßgeschneiderte Lösungen zur Förderung der Innenentwicklung zu erarbeiten.
  • Gemäß der Zielvorgabe Innenentwicklung vor Außenentwicklung sollen vorhandene Potenziale im Bestand durch Aktivierung, Re-Aktivierung und/oder bauliche Verdichtung besser ausgeschöpft werden. Hierdurch kann eine Neuinanspruchnahme von Landschaft für Siedlungszwecke vermieden, die Suburbanisierung gebremst, Innenstädte die Effizienz der kommunalen Infrastruktur kostenoptimiert werden.
  • Die Nachfrage nach zusätzlichen Flächen sollte (und kann) auf erschlossenen Flächenreserven innerhalb bestehender Siedlungsflächen realisiert werden.
  • Bestandsentwicklung bei Verzicht auf die Ausweisung neuer Bauflächen. Auch der Bedarf nach neuen Gewerbestandorten sollte soweit möglich auf bestehende Flächen im Innenbereich gelenkt werden. Neuer Wohnraum und gewerbliche Nutzungen müssen dabei nicht im Widerspruch zum Leitbild der aufgelockerten, durchgrünten Stadt stehen. Vielmehr geht es bei der Innenentwicklung auch um eine qualitative Verbesserung der Freiraumsituation.
  • Zielsetzung der Innenentwicklung sollte nicht die Aktivierung möglichst aller Potenziale sein, sondern vielmehr bedarf es jeweils einer strategischen stadtplanerischen Entscheidung, die gesamträumliche Zusammenhänge und Qualitäten einbeziehen muss.
  • Zur Erreichung dieser Ziele ist eine aktive Innenentwicklung unumgänglich. Es gilt, innerörtliche Flächenpotentiale zu erkennen, zu analysieren und optimal für neue Nutzungen zu aktivieren.

Diesen Anforderungen versucht der Ansatz des Aktiven Flächenressourcenmanagements zu folgen und dementsprechende Möglichkeiten und Strategien zur Aktivierung innerörtlicher Flächenpotenziale aufzuzeigen. Anknüpfend daran sind spezielle Strategien zur baulichen Anpassung und Aktivierung leerstehender Gebäude, entsprechend den heutigen Anforderungen von Wohnen und Gewerbe, vorhanden. Diese werden unter den Begriffen Leerstandsmanagement und Gebäuderessourcenmanagement subsumiert.

Transparenz und Digitale Kommunikation 

Baurecht – Schnell von der Planung bis zum Bau:

Die Digitalisierung birgt für Bauprojekte ein hohes Potential. Auch im Gebäudebestand hilft digitales Bauen dabei, Prozesse zu optimieren, transparenter zu gestalten und damit letztlich Kosten zu senken. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung will die Digitalisierung zielgerichtet vorantreiben und verantwortlich mitgestalten. Beim Hoch- und Tiefbau trägt die Digitalisierung zur Produktivitätssteigerung der Planungs- und Baubranche aber auch zur Steigerung der Nachhaltigkeit des Bauens und Bewirtschaftens von Immobilien bei. Für den Baubereich kommt dabei dem Building Information Modeling (BIM) eine zentrale Rolle zu.

Das Ministerium begrüßt in diesem Zusammenhang die 2017 von der Bauindustrie, dem Westdeutschen Handwerkskammertag, der Architekten- und der Ingenieurkammer in Nordrhein-Westfalen vorgelegte Düsseldorfer Erklärung, von der ein starkes Signal für die voranschreitende Digitalisierung der Baubranche ausgeht.

Ministerin Ina Scharrenbach: Mein Ministerium wird […] die Städte und Gemeinden bei dem Auf- und Ausbau zeitgemäßer Systeme zur Einreichung von Bauanträgen in digitaler Form unterstützen. Denn: Zu oft trifft digital auf analog. Dies verlangsamt oftmals den gesamten Bauprozess. Deshalb gilt: Wir brauchen die Beschleunigung vom Start bis zum Ziel.

Daneben können durch Digitalisierung auch Verwaltungsprozesse via Digitale Baugenehmigungen beschleunigt sowie Daten zur Digitalen Baukostenplanung zentral auf Landesebene gesammelt und zur Verfügung gestellt werden.

Mit dem Städtebauförderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ unterstützt Nordrhein-Westfalen städtebauliche Initiativen für lebenswerte und grüne Heimat. Schwerpunkte des Programms liegen in der Aufwertung öffentlicher Parkflächen sowie der Verbesserung der Umweltsituationen in Straßenräumen und auf Plätzen. Die Projekte steigern die Wohn- und Lebensqualität in den Städten und Gemeinden. Innerstädtische Quartiere profitieren davon, wenn Parks, Spiel-, Sportflächen, Wegeverbindungen und Brachflächen durch Stadtgrün aufgewertet werden.

Mit dem Angebot verfolgen Bund und Länder das Ziel, den notwendigen Ausbau des Stadtgrüns in baulich verdichteten Innenbereichen voranzutreiben und so die Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden zu verbessern. Förderfähig sind insbesondere die Aufwertung des öffentlichen Raumes und des Wohnumfeldes durch die Qualifizierung und Vernetzung von Grün- und Freiflächen, die Herstellung multifunktionaler Grün- und Freiräume, die Ergänzung, Weiterentwicklung, Instandsetzung und Modernisierung von Gebäuden und öffentlicher Infrastruktur des Quartiers im Rahmen von quartiersbezogenen Stadtgrünmaßnahmen sowie Bau- und Ordnungsmaßnahmen auf Grundstücken mit leerstehenden, fehl- oder mindergenutzten Gebäuden und von Brachflächen einschließlich der Nachnutzung durch Grün- und Freiflächen.

Städte und Gemeinden unterliegen einem stetigen Wandel: Die Städtebauförderung des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt Kommunen darin, diesen Wandel aktiv zu gestalten.

Das Ziel: Städtebauliche Missstände und Entwicklungsdefizite abbauen, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit verbessern  und  gewachsene  bauliche  Strukturen  zeitgemäß und nachhaltig weiterentwickeln. So bleiben Städte und Gemeinden  für  alle  Bevölkerungsgruppen  attraktiv  und  zugleich  wird  die  örtliche,  kommunale und regionale Identität gestärkt.

Im Jahr 2019 werden erstmals alle sechs Städtebauförderprogramme und der Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ gleichzeitig aufgerufen. Für die Gestaltung unserer Heimat in den Städten und Gemeinden stehen im Rahmen der Städtebauförderung über 400 Millionen Euro zur Verfügung.

 

BBSR (Hrsg.): Innenentwicklungspotenziale in Deutschland – Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage und Möglichkeiten einer automatisierten Abschätzung.Sonderveröffentlichung, Bonn 2014. Bearbeitung: IÖR Dresden.

Ronald Kunze: Stichwort „Innenentwicklung“ in: Bauordnung im Bild. WEKA-Media, Kissing 2007.

Stephan Mitschang: Innenentwicklung – Fach- und Rechtsfragen. Peter Lang Verlag, Frankfurt 2008, ISBN 9783631576779.

Tatjana Schreiber: Ein Wohnungsbauprogramm zur Innenentwicklung – gelingt die Behebung von Wohnraummangel? Am Beispiel des Projekts „20.000 Wohnungen für Stockholm“. (ISR Graue Reihe Heft 21). Institut für Stadt- und Regionalplanung, TU Berlin 2009, ISBN 978-3-7983-2127-4

Michael Krautzberger: Die «Innenentwicklungsnovelle 2013». In: Grundstücksmarkt und Grundstückswert (GuG) 2013, 193 ff.

Michael Krautzberger, Bernhard Stüer: BauGB-Novelle 2013. Gesetz zur Stärkung der Innenentwicklung in den Städten und Gemeinden und weiteren Fortentwicklung des Städtebaurechts. In: Deutsches Verwaltungsblatt (DVBl) 2013, S. 805–815

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